Es ist paradox: Die Stimme eines Sprechers (egal, ob nun Autor bei einer Lesung, Moderator oder Vortragsredner) klingt am besten, wenn er entspannt ist Wer aber in der Öffentlichkeit spricht, ist in der Regel alles andere als entspannt. Die Stimme klingt sehr schnell gepresst, kieksig oder nasal. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?
Zunächst einmal hilft es, wenn man wirklich weiß, wovon man redet - die Beherrschung des Themas vermittelt Sicherheit und Selbstvertrauen, schwieriger ist es, wenn ich weiß, dass ich mich in den folgenden Stunde durchimprovisieren muss.
Unabhängig davon habe ich ein Programm, um mich einzustimmen. Ich berühre mein Gesicht und den ganzen Kopf in schneller Folge mit allen zehn Fingern - wie Regentropfen. Ich klopfe den gesamten Körper mit beiden Händen ab. Das lockert Verspannungen und gibt körperliche Präsenz.
Dann gibt es verschiedene Übungen, die die Stimme lockern: Eine davon ist mehrmals hintereinander zu gähnen. Außerdem hilft es, sich zu räkeln und zu strecken. Und durch die Lippen zu prusten. Und die Lippen flattern zu lassen, was so klingt, als würde ein Kind ein Motorrad imitieren.
Und: Es hilft ungemein, den richtigen Stimmsitz zu finden, wenn man stöhnt. Laut und hingebungsvoll, wie beim Sex. Ernsthaft.
Man muss halt nur drauf achten, dass einen der Auftraggeber nicht hören kann.
[Autor: Harry Keaton]
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