Wenn Sie heute im Bereich Sozialwissenschaft studieren, dann kann ein Seminar von der Teilnehmerzahl bei 150 bis 200 Personen liegen. Wir nennen das dann „Seminar mit Vorlesungscharakter.“
Ob im Grundstudium oder im Hauptstudium, für einen „großen“ Leistungsschein muss zumeist eine Hausarbeit am Ende des Semesters vom Studenten angefertigt werden. Bei solchen Teilnehmerzahlen und etwa 2 bis 4 Lehrveranstaltung pro Dozent und Semester kann man sich leicht das Ausmaß der anfallenden Nachlektüre vorstellen, die dann zu korrigieren ist.
Da in der Sozialwissenschaft bestenfalls unbequeme Wahrheiten ans Licht kommen, aber keine Technologien und Patente mit Weltmarktpotential, sind die Lehrstühle hoffnungslos unterbesetzt, da unterfinanziert, und so wird schon jetzt in Teilen 300 – 400 % Überlast gefahren. Rein rechnerisch kann das bedeuten, dass Ihnen pro zu korrigierender Seminararbeit 3 min bleiben. Der Umfang kann je nach Seminar und Studienfortschritt 10 bis 50 Seiten betragen, dass bekommt man selbst bei oberflächlichem Diagonallesen nicht in 3 min durch. Wie kommt der Bewertende also nun zu seinem qualifizierten Urteil über die Seminararbeit?
Schritt 1: Man schaut sich kurz die Bibliographie (Verzeichnis der verwendeten Literatur) am Ende der Arbeit an, wenn da nicht die einschlägig relevanten Werke zu diesem Thema stehen, ist es faktisch unmöglich, dass die Arbeit vernünftig geworden ist. Sollte dieser Teil in Ordnung sein, folgt Schritt 2: Man schaut sich erst diagonal lesend das Einleitungskapitel an, in dem steht, wie das folgende Thema behandelt wird und vergleicht dies grob mit dem Index (Kapitelübersicht am Anfang) um zu sehen ob der Student auch erarbeitet hat, was er sich selbst vorgenommen hat. Dies ist gleichzeitig als Stilprobe für den Text zu sehen. Schließlich überfliegt man noch das Fazit um zu erfahren, zu welchem weisen Schluss der Verfasser der Arbeit kam. Daraus kann sich der Bewertende ein Recht genaues Bild über die Qualität der Arbeit machen.
Diese Methode ist erschreckend genau und mit etwas Übung sind dann auch 3 min pro Hausarbeit machbar.
[Autor: anonym]
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