Makler

Egal, wie die Umstände sind: Der Besichtigungstermin ist oft entscheidend für den Kauf oder das Anmieten einer Wohnung. Ergo muss ich als Makler das Objekt natürlich in möglichst gutem Licht dastehen lassen.

Ich lade also möglichst viele Interessenten gleichzeitig ein -- gibt es zuwenige, frage ich Bekannte, ob sie kurz vorbeischauen mögen. Denn die Wohnung wirkt attraktiver, wenn's ein bisschen voller ist. Außerdem haben die Leute dann den Eindruck, das Objekt sei sehr begehrt und sind eher zu Kompromissen bereit. Außerdem wähle ich den Besichtigungstermin so, dass etwaige negative Aspekte nicht auffallen: Liegt sie nahe einer Kirche, vermeide ich Treffen zur vollen Stunde (wegen des Glockenlärms); liegt sie an einer mehrspurigen Straße, vermeide ich Stoßzeiten; heizt sie sich leicht auf, muss der Termin abends stattfinden.

Bei der Besichtigungen von Luxuswohnungen mit hoher Provision bin ich sogar schon so weit gegangen, den lauten Nachbarn ein auswärtiges Abendessen zu spendieren, damit sie am entscheidenden Tag nicht da sind. Oder eine attraktive Bekannte meiner Tochter zu bitten, mal gepflegt über den Flur zu stolzieren -- schöne Menschen werten eine Umgebung zuverlässig auf.

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